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Belletristik: Der Augentäuscher
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Titel:      Der Augentäuscher
Kategorien:      Belletristik
BuchID:      2401
Autor:      Mathias Gatza
ISBN-10(13):      3862200094
Verlag:      Graf Verlag
Publikationsdatum:      2012-03-09
Edition:      Hardcover
Number of pages:      384
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
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Beschreibung:      Product Description
Erscheinungsjahr: 2012
Von Gatza, Mathias

Es war nichts als eine dunkel angelaufene Metallplatte, in die die Zahl 1673 geritzt war. Aber der Fund war spektakulär. Die Reste eines Photos aus dem 17. Jahrhundert? Obwohl die Photographie erst im 19. erfunden wurde? Humbug, völlig unmöglich. Niemand glaubt dem verkrachten Wissenschaftler. Im Jahr 2002 jedoch, bei den Aufräumarbeiten nach dem Elbhochwasser in Dresden, stößt er auf einen Druckbogen im Bleisatz, dessen verklebte Seiten er löst und: das zweite Glied einer großartigen Beweiskette entdeckt. Schilderungen über einen gewissen Silvius Schwarz, hochbegabter Stillleben-Maler, Libertin und Atheist, der in Dresden aus einer Camera obscura ein künstliches Auge gebaut hat. Seine Geliebte, die wilde, schöne Sophie von Schlosser, berühmte Mathematikerin und Gambenvirtuosin, war ebenso Anlass für Neid und Missgunst wie Silvius Erfindung: die Eins-zu-eins-Wiedergabe der Natur. Nur wenigen gewährt er einen Blick auf seine Kunst, und dann nur flüchtig,bei Kerzenschein Bald als Magier und Blasphemiker gejagt,wird Silvius auch noch verdächtigt, mit den geheimnisumwobenen Ritualmorden zu tun zu haben, die die höfische Welt erschüttern

   


Rezensionen
Der Lesertäuscher - einzig, nicht artig

29.03.2012 Bewertung:  4 rumble-bee vergibt 8 von 10 Punkten

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Ich beglückwünsche Sie als zukünftigen Leser, wenn Sie sich tatsächlich an dieses hoch komplexe Werk herantrauen. Allerdings muss ich Sie gleichzeitig warnen - ein wenig Arbeit werden Sie schon investieren müssen, um hinter die Fassade dieses Panoptikums an Absonderlichkeiten zu blicken. Sie erwarten reine Unterhaltung? Sie erwarten einen historischen Krimi? Sie verlassen sich gar auf den Klappentext?? Vergessen Sie\'s. Dann werden Sie vermutlich nach kurzer Zeit entnervt aufgeben.

Ich habe das Buch gewissermaßen nicht gelesen, sondern \"durchgeackert\". Man kann es wahrlich nicht \"lesen\" nennen, denn andauernd musste ich mir Gedanken machen, was denn mit dieser Finte, diesem Kniff schon wieder gemeint sein könnte. Und doch wurde ich belohnt, denn ich fühlte mich als Leser ernst genommen. Als Leser, der sich nicht nur \"bedienen\" lässt, sondern der aktiv an der Sinnkonstruktion des Buches beteiligt wird. Und insofern fand ich das Buch richtig gut!

Die erste \"Schachtel\", in der das Buch steckt, die erste Rahmenhandlung, rankt sich um einen verhinderten Doktoranden, der schon im mittleren Alter ist, und sein ganzes Leben lang nach einem ominösen sächsischen Maler aus dem 17. Jahrhundert geforscht hat: nach Silvius Schwarz. Dieser namenlose (!) Doktorand schreibt das Buch im Rückblick, als fiktiver Herausgeber. Er stellt die Ergebnisse seiner lebenslangen Forschung dem interessierten Publikum frei \"als Download\" zur Verfügung (was für uns Leser natürlich die physische Einheit \"Buch\" ist). Gleichzeitig wird seine höchst absonderliche Lebensgeschichte geschildert, die vor Zufällen und Eigenheiten nur so strotzt. Hier kann man Anklänge an allerhand Schelmen- und Entwicklungsromane finden, wovon ich nur den \"Tristram Shandy\" oder \"Pinocchio\" erwähnen möchte. Denn auch unser Doktorand jagt zwar nicht seinem Geppetto, sondern Silvius Schwarz hinterher - wird jedoch immer wieder an der Nase herumgeführt. Ich habe mich hier sehr oft köstlich amüsiert! Das akademische Milieu wird herrlich veralbert. Gleichzeitig wirkt der \"Plot\" dieser Rahmenhandlung wie aus \"Alice im Wunderland\": es endet in einem Labyrinth (!), in das der Doktorand \"gefallen\" zu sein scheint, und aus dem er nur knapp entkommt - mit einer ganzen Meute hinter sich.

Der zweite Rahmen, die zweite Schachtel, besteht aus 6 antiken Druckbögen, die ein Zeitgenosse des besagten Silvius Schwarz seinerzeit gesetzt haben soll. Leopold war stumm, und mit Silvius augenscheinlich befreundet. Der Doktorand kam durch allerlei abenteuerliche Zufälle an diese Bögen, in denen sich Leopold vom Chronisten zum Denker und Forscher entwickelt. Der Tonfall ist hier ganz der damaligen Zeit angepasst, und zeichnet glaubwürdig die innere Entwicklung Leopolds nach. Ganz unverkennbar bestehen hier Parallelen zum \"Namen der Rose\", sowie zum \"Parfum\": Zwar ist die Handlung zeitlich deutlich hinter Umberto Ecos Meisterwerk angesetzt, aber der Grundgedanke scheint derselbe zu sein. Es endet an einem ominösen, versteckten, verschachtelten Ort, und es geht um Morde, die aus höchst idealistischen Gründen begangen wurden. Insofern ähnelt Leopold, der Drucker, ein wenig Adson von Melk. An das \"Parfum\" wiederum erinnert die Lebensgeschichte des Silvius Schwarz; seine Kindheit mit weitestgehend dunklen Wurzeln, seine Besessenheit, die ganz derjenigen Grenouilles ähnelt, und sein Ende. Auch eine orgiastische Verwirrungsszene ist enthalten, ganz wie im \"Parfum\".

Die dritte \"Schachtel\" schließlich, oder sollte ich vielmehr sagen, das dritte Kaninchen, das der Autor aus dem Hut zaubert, besteht aus Liebesbriefen, die sich Silvius Schwarz und seine Cousine Sofie geschrieben haben sollen. Sollen, wohlgemerkt; denn es ist ebenso möglich, dass diese Briefe nur ein Roman einer nicht näher bezeichneten Nonne, Dionysia von Rose (!), sind. Das bleibt angenehm offen, und trägt zum Reiz des Ganzen bei. Auch diese Briefe sind kunstvoll geschrieben - ganz egal, woher sie auch stammen mögen. Der Tonfall und die ganze Ausdrucksweise stammen derart unverkennbar aus den \"Gefährlichen Liebschaften\", dass man schon blind sein müsste, um dies nicht zu merken. Sofie gleicht der Marquise de Mertueil, und Silvius dem Vicomte de Valmont - beide berichten sich in scheinbar plauderndem, doch hoch frivolem und lauernden Ton von ihren jeweiligen Winkelzügen.

Diese drei Erzählstränge werden das ganze Buch über höchst kunstvoll verschränkt, so dass man als Leser dauernd \"auf der Lauer liegen\" muss. Nie kann man sicher sein, nun wirklich alles erfasst zu haben. Immer wieder gibt es ein neues skurriles Detail, eine neue Wendung. Ich gebe sogar unumwunden zu, dass ich nicht sicher bin, ob ich das Ende richtig verstanden habe. Was war denn nun auf dem ominösen \"Foto\" zu sehen, das Silvius gemacht haben soll? Lebt er noch, oder konnte er seinen Henkern entkommen? Was geschah mit dem Ort in Sachsen, den es heute nicht mehr geben soll, und der geheimnisvoll \"***rode\" genannt wird? Doch wissen Sie was - es ist mir letztlich egal. Wie aus einem Labyrinth, bin ich aus diesem Buch hervorgetaumelt. Es war ein wenig anstrengend, doch unbedingt lohnend, sich in dieses Abenteuer zu stürzen. Sollten Sie mir folgen wollen, So wünsche ich Ihnen ebensoviel Spannung und Entdeckerlust, wie ich sie verspüren durfte.

 


rumble-bee hat insgesamt 76 Rezensionen angelegt.


 
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