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Belletristik: Der fremde Sohn: Roman
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Titel:      Der fremde Sohn: Roman
Kategorien:      Belletristik
BuchID:      2461
Autor:      Sam Hayes
ISBN-10(13):      3548610501
Verlag:      List Taschenbuch
Publikationsdatum:      2012-04-16
Edition:      Taschenbuch
Number of pages:      528
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

4 
Bild:      cover           Button Buy now



   


Rezensionen
Der fremde Sohn

09.05.2012 Bewertung:  4 brillenbaby vergibt 8 von 10 Punkten

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Reality check -

durch diese aktuelle, rücksichtslose Fernsehsendung wurde Carrie Kent zu einer berühmten Fernsehmoderatorin, die ihre Kandidaten bis über die absolute Peinlichkeitsgrenze und Menschenwürde hinaus nach den intimsten Dingen ihres Lebens befragte und nur Eines dabei im Kopf hatte: die Einschaltquote hochzutreiben - gleichgültig um welchen Preis. Sie sonnte sich in dem Gedanken, anders zu sein als die Befragten, im Gegensatz zu ihnen einer anderen Schicht anzugehören, die priviligierter, reicher und unabhängiger war. Dass ihre Ehe mit dem farbigen, blinden Mathematikprofessor Brody Quinell gescheitert war und ihr gemeinsamer 15jähriger Sohn gerade ein Luxusinternat verlassen hatte und jetzt täglich eine andere, qualitativ schlechtere Schule besuchte, die in der Nähe der väterlichen Wohnung lag, schien ihren Oberschicht-Status nicht zu tangieren. Bis eines Tages ein Anruf kam, der ihr Leben veränderte: ihr Sohn Max wurde auf dem Schulhof erstochen, vom Täter fehlte jede Spur und die einzige Zeugin, seine Freundin Dayna Ray, verweigerte jede Aussage, konnte sich nicht erinnern und hatte durch den Verlust des Freundes ein Trauma erlitten. Auf der Suche nach Aufklärung des Mordes, die Carrie und Brody teils jeder für sich teils auch gemeinsam betrieben, wurde beiden klar, wie wenig sie über Max wußten, wie fremd ihnen seine Gedanken waren und wie nötig er ihre Hilfe gebraucht hätte. Würden sie letztendlich über sich selbst zu Gericht sitzen müssen?

Sam Hayes arbeitet mit zahlreichen Perspektiven aus Sicht der verschiedenen Protagonisten, in wechselnden Zeitebenen, in Vorausschauen und Rückblicken unter Benutzung feinfühliger Sprache und einem permanenten, leise eskalierenden Spannungsbogen, der dem Roman etwas vom Genre eines Thrillers verleiht. In erzählender Stetigkeit entwickeln sich die Charaktere der Mitwirkenden, das Mosaik ihrer Eigenschaften bildet ein Ganzes, aus dem heraus der Leser die Geschehnisse erklären muss, damit er Logik in diese Verkettung von unseligen Umständen bringen kann. In vielen, im Roman angesprochenen Gefühlen und Empfindungen erkennt man den aktuellen Bezug zur Gegenwart, in der wir den Mangel an Zuwendung und das fehlende Vermitteln von Geborgenheit beklagen. Das hilflose, haltlose Treiben noch nicht gefestigter, nicht genügend selbstbewußter junger Menschen ist nicht selten Auslöser von Einsamkeit und Isoliertheit. Jedoch hätte die Schriftstellerin eventuell darauf verzichten können, diesen Punkt in solch intensiver Häufigkeit zu erwähnen - weniger wäre hier mehr gewesen, da der Leser ein gutes Gedächtnis für bereits Geschriebenes hat. Ständige Wiederholung ermüdet auch. Unfassbar ist auch, dass Max in keiner Weise die Möglichkeit fand, sich einem seiner Elterteile mitzuteilen, obwohl diese doch jeder für sich in einer extrem anderen Welt lebten als ihr ehemaliger Partner. Aber Max fühlte sich wohl in beiden \"Welten\" irgendwie nicht zugehörig sondern \"anders\" , wie er selbst sagte - eine unselige Situation.

Trotz der Punkte, die meines Erachtens nach Anlaß zur Kritik geben, ist das Buch flüssig zu lesen, bietet interessanten Lesestoff und eine gute, anschauliche Sprache, deshalb 4 Sterne.


brillenbaby hat insgesamt 25 Rezensionen angelegt.


Schmerzvolle Erkenntnisse

21.06.2012 Bewertung:  4 NiliBine70 vergibt 8 von 10 Punkten

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Inhalt:
Die überaus erfolgreiche Moderatorin Carrie Kent glaubt, ihr Leben wäre perfekt. Sie ist der Star einer Sendung, in der in ihren Augen der Abschaum der Nation vor die Kameras tritt und von ihr zu Geständnissen gebracht wird, wie es die Polizei teilweise nicht vermag. Carrie glaubt, sie und ihre Welt seien unantastbar und das schließt ihren Sohn Max ein. Doch dass sie sich damit völlig im Irrtum befindet, muss die arrogante Carrie feststellen, als ihr Sohn auf dem Schulhof erstochen wird und stirbt. Für Carrie und alle Menschen um sie und ihren Sohn herum beginnt eine Reise in die Vergangenheit und eine Reise in die Realität, wie Carrie sie erfolgreich vor sich selbst verborgen hat.

Meine Meinung:

Alleine schon die Leseprobe hatte mich bestürzt. Und diese Bestürzung wuchs immer mehr während des Lesens des ganzen Buches. Aber das ist auch der Grund, warum ich die Geschichte, so wie Sam Hayes sie erzählt hat, als wirklich gut bezeichnen möchte. Noch ein Grund ist, dass es gar nicht so weit her geholt ist, dass Eltern ihre Kinder gar nicht wirklich kennen, sich sehr egoistisch nur um sich selbst kümmern, sie sind das Zentralgestirn und alles andere dimmert grau an der Peripherie dahin. Und dann müssen solche Menschen auf manchmal sehr drastische Weise erkennen, dass sie sich selbst wunderbar belogen haben, jahrelang, in einem Wolkenkuckucksheim gelebt haben, aus dem sie nun abstürzen.

So ergeht es Carrie. Sie muss den Tod ihres Sohnes verkraften. So, wie sie vorher schon verkraften musste, dass er von einem angesehenen Internat abgegangen ist. Ihr hat sich nicht erschlossen, warum, doch hat sie jemals gefragt, warum er freiwillig in einer üblen Gegend auf eine Schule mit üblen Jugendlichen geht? Hat sie jemals gefragt, was ihr Sohn so macht? Wie er in der Schule zurecht kommt? Im Leben? Nein. So weiß sie auch nicht, dass er eine Freundin hatte. Die zwei haben sich zusammengetan, weil sie beide Außenseiter in der Schule waren. Sie haben sich verstanden. Und in der Rückschau erfährt man, wie bittersüß ihre zarte Liebe war. Für Carrie ist jede neue Erkenntnis, dass ihr Sohn nicht das war, was sie glaubte, ein Schlag in die Magengrube und jedes Detail bringt sie mehr dazu, aufzuwachen. Auch die Tatsache, dass ihr erblindeter Mann mehr Kontakt zum Sohn hatte und doch nicht alles wusste, aber schon mehr, weil er einfach empfindsamer ist, durch sein fehlendes Augenlicht. Das Gefühl von Neid kommt da bei Carrie kurz auf, aber was nutzt es ihr? Und das erkennt sie auch.

Zwischenzeitlich zog sich die Geschichte etwas hin, es gab kurzfristig Längen, die man hätte rausnehmen können. Die Geschichte als solches ist sehr eindrücklich, sehr bewegend und wäre das Ende etwas realistischer ausgefallen, wären es auch 5 Sterne geworden, die ich vergeben hätte. So ziehe ich aber einen ab, denn der Schluss passt für mich persönlich eher ins Märchenreich, als zu einer so doch manchmal auf eine gewisse Art brutalen Geschichte.

Ich würde hier auch nicht unbedingt von einem Thriller sprechen, es handelt sich eher um ein Drama, aber bis auf ein paar Kleinigkeiten sehr realitätsnahes Drama und deswegen auch nicht für jedermann geeignet.


Fazit:
„Der fremde Sohn“ ist eine sehr bedrückende Geschichte, nah an der Realität und deswegen umso schlimmer. Wären gewisse Längen und der doch etwas zu „märchenhafte“ Schluss nicht, würde ich 5 Sterne vergeben, aber so gibt es gute 4 und die Empfehlung, dass Leute, die auch derartigen Filmen sehr nachdrücklich mitleiden, besser die Finger vom Buch lassen. Alle anderen, die sich zwar ganz und gar ins Buch fallen lassen können, aber unbeschadet draus wieder auftauchen, sei es ans Herz gelegt und so manchem Egoisten vielleicht als Warnung mit auf den Weg gegeben.

 


NiliBine70 hat insgesamt 188 Rezensionen angelegt.


eine zerrissene Familie

03.09.2012 Bewertung:  4 coffee2go vergibt 8 von 10 Punkten

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Kurze Inhaltszusammenfassung:

Max ist ein fünfzehnjähriger Teenager und lebt nach der Trennung seiner Eltern abwechselnd bei seiner Mutter, der berühmten TV-Moderatorin Carrie Kent und seinem blinden Vater, einem Universitätsprofessor. Er ist ein ständiger Außenseiter, hat keine Freunde und wird von seinen Mitschülern gemobbt, doch dann verliebt er sich in Dayna, die auch eine Außenseiterin ist und aus einer anderen gesellschaftlichen Schicht stammt als Max. Eines Tages wird Max auf dem Schulhof vor den Augen seiner Freundin erstochen und seine Mutter versucht verzweifelt herauszufinden wer dahinter steckt und wer ihr Sohn wirklich war.

 

Meine Meinung zum Buch:

Der sehr klare Schreibstil von Sam Hayes ermöglicht es, das Buch sehr rasch zu lesen, die Zeitsprünge und die Perspektivenwechsel bringen Abwechslung, allerdings hätte der Mittelteil mehr Spannung bieten können. Die Hauptcharaktere wurden sehr detailliert beschrieben und waren allesamt wenig sympathisch, außer Max. Carrie ist hauptsächlich mit sich selbst und mit ihrer Reality Show beschäftigt, wie es ihrem Sohn geht, bekommt sie nicht mit. Teilweise sehen sich die beiden über mehrere Tage nicht. Brody sucht mehrmals das Gespräch mit seinem Sohn und macht sich Sorgen um ihn, nachdem er heimlich eine SMS auf seinem Handy entdeckt hat, in der Max bedroht wurde. Allerdings bleibt Brody auch nicht hartnäckig, sondern geht vielleicht liebe den bequemen Weg, so wie auch in seiner Wohnung, die verdreckt und verwahrlost ist, obwohl er es sich leisten könnte sich darum zu kümmern. Auch Dayna hat eine etwas unglückliche Art; einerseits kümmert sie sich liebevoll um ihre kleine Schwester, auf der anderen Seite ist sie auch sehr negativ eingestellt und hat es nicht leicht in ihrem Leben und mit ihrer Umwelt.

Ein Hauptthema des Buches waren die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und Schwierigkeiten, die damit verbunden sind. Max stammt aus einer sehr wohlhabenden Familie und besuchte zuerst ein Elite-Gymnasium, auf dem er nicht glücklich war. Danach wechselte er auf eine Schule, in der hauptsächlich sozial schwächere Schichten vertreten waren, wo fast alle Jugendliche Mitglied einer Gang waren, aber auch hier konnte er sich nicht integrieren und war wieder ein Außenseiter. Seine Mutter wusste darüber überhaupt nicht Bescheid und sein Vater auch nur wenig, da er einmal eine SMS von Max gelesen hat. Als er seine Freundin Dayna kennenlernte, versuchte er vor ihr zu verheimlichen wer seine Eltern waren und dass er vermögend war. Max konnte weder zu seiner Freundin noch zu seinen Eltern Vertrauen aufbauen.

Gut gefallen hat mir auch, dass nicht alle Lehrer die Teenager abgeschrieben haben, sondern dass es noch einige wenige gab, die sich sehr bemüht haben, auch den SchülerInnen, die nur sporadisch zur Schule kamen, häufig schwänzten, ihre Zeit mit herumstreunen, Alkohol und Drogen zu vertreiben, die Bedeutung von Bildung und literarische Werke wie „Romeo und Julia“ näher zu bringen.

Der einzige positive Aspekt war, dass sich Carrie und Brody durch den Tod ihres Sohnes wieder miteinander beschäftigen, miteinander reden und sich emotional etwas annähern, was vorher überhaupt nicht der Fall war. Carrie hat sich von ihrer Persönlichkeit am meisten verändert und setzt ihren Ehrgeiz und ihre Energie letztendlich für sinnvollere Dinge ein.

 

Titel und Cover:

Der Titel veranschaulicht gut, dass Max nicht nur seinen Eltern, sondern teilweise auch sich selbst und seiner Freundin „fremd“ war.

 

Mein Fazit:

„Der fremde Sohn“ ist ein sehr emotionales Buch, das sich mit den Beziehungen der Menschen untereinander beschäftigt.


coffee2go hat insgesamt 62 Rezensionen angelegt.


 
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