| 05.07.2009 | Bewertung:
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Blindfisch /// Tista vergibt 8 von 10 Punkten |
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Große Gefühle in große Worte verpackt!Caelum Quirk, in dem sich in dieser großen amerikanischen Familiengeschichte alles rankt, ist Lehrer und in dritter Ehe mit Maureen verheiratet. Die beiden ziehen nach Colorado, um einen Neuanfang ihrer Ehe zu wagen und weil Maureen näher bei ihrem Vater sein will. Aber - dieser Neuanfang endet in einer Tragödie, die das Leben der beiden aus den Angeln hebt, völlig verändert und sie an den Rand eines Abgrundes treibt. In der Schule, in denen das Ehepaar Quirk gemeinsam arbeitet, richten zwei Schüler ein schreckliches Blutbad an und Maureen überlebt nur, weil sie sich in einem Schrank verstecken kann. Das Ereignis belastet und erschüttert beide sehr - wirbelt ihr Leben durcheinander und sie brauchen lange, bevor es wieder aufwärts geht, um dann von der nächsten Katastrophe heimgesucht zu werden: Maureen überfährt unter Einfluss von Tabletten (nachdem sie schon einige Zeit clean war) einen Jungen und muss für 5 Jahre ins Gefängnis. Das sind - ganz grob umrissen - die beiden "gravierendsten" Ereignisse in diesem Buch - aber in diesem Buch passiert noch viel viel mehr! Es wäre müßig, hier auf alle kleinen und großen negativen aber auch positiven Ereignisse näher einzugehen - das wäre viel zu viel; man muss das Buch mit viel Ruhe lesen und sich in die Situation der beiden hineinversetzen und den Gedanken der Protagonisten folgen und sich drauf einlassen. Das Buch ist ergreifend, ausschweifend, detailgenau, fesselnd und sehr leicht lesbar geschrieben - aber: Es ist nicht nur vollgepackt mit Menschen, die Caelum sein Leben lang begleitet haben und es jetzt noch tun, sondern auch mit Ereignissen, die sich nicht nur in dem kompletten Leben von Caelum ereignet haben, sondern auch seine Vorfahren in den letzten zwei Jahrhunderten betreffen. Man erfährt die Lebensgeschichte der Nachbarn genauso wie die seines besten Freundes, man erlebt das Leben vieler Gefangener und z.B. die Ereignisse im Leben von Mark Twain. Seine Großmutter Lydia - seine Tante Lolly - sein alkoholkranker Vater - die Familie des überfahrenen Jungen - den Lebensweg der beiden Amokläufer und deren Familien - viele viele Menschen bereichern dieses Buch - aber ich muss gestehen, mir war es manchmal zuviel. Es waren einfach zu viele Schauplätze - zu viele Gedanken, die man verarbeiten musste. Caelum muss nicht nur mit den schrecklichen aktuellen Geschehnissen fertig werden sondern auch mit einer Vergangenheit, die ihm völlig fremd war, die alleine schon einen Menschen zur Verzweiflung bringen könnte; aber das Ende der Geschichte ist - ohne zuviel zu verraten - positiv und lässt die Hoffnung aufkommen, dass das Leben trotz aller Tiefschläge lebenswert ist. |
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Blindfisch /// Tista hat insgesamt 40 Rezensionen angelegt. Alle Rezensionen von Blindfisch /// Tista anzeigen. |
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| 05.07.2009 | Bewertung:
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Anonym vergibt 8 von 10 Punkten |
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![]() Neun Jahre, die Wally Lamb an seinem neuen Buch "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" geschrieben habe. Eine lange Zeit, aber wenn man sich die Themenvielfalt in diesem Buch ansieht, dann ist es absolut verständlich, dass es gedauert hat. Neun Jahre, in denen viel passiert ist. Lamb hat in sein Buch das aktuelle Geschehen der letzten Jahre ebenso einfließen lassen wie viele andere geschichtliche Aspekte. In "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" geht es um das Leben von Caelum Quirk und seine Frau Maureen und deren Schicksalsschläge. Und das sind nicht wenige. Angefangen bei einer Trennung der beiden, anschließender Versöhnung, dem Massaker an der Columbine Highschool in Littleton, Drogen- und Alkoholsucht, einem Autounfall mit Todesfolge und noch einigem mehr. Wenn man dies liest, dann könnte man meinen, dass sich der Autor ein wenig zu viel vorgenommen hat mit dieser Geschichte. Die Art zwischendurch immer wieder die Perspektive zu ändern und aus der Sicht von diversen Personen zu schreiben, teils auch in Briefform oder Zeitungsberichten, lockerte das ganze Buch teils sehr auf und wirkte erfrischend. Für mich war "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" ein wirklich großartiges Buch, auch wenn ich den Titel nicht wirklich aussagekräftig genug finde und mir das Buch schon anhand des Titels wohl nie selbst gekauft hätte. Es erweckte in mir einfach den Eindruck, als würde es zu sehr in eine religiöse Sparte rutschen, die einfach jeder Mensch für sich selbst entdecken muss und in die man nicht "rutschen" kann. Aber so war es gar nicht. Natürlich kann der eine oder andere für sich sicherlich auch religiöse Aspekte rauslesen, aber es wird einen nicht aufgezwungen. |
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| 05.07.2009 | Bewertung:
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Anonym vergibt 8 von 10 Punkten |
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Wer sucht was er wünscht, findet das, was er brauchtInhalt: Caelum & Maureen sind seit Jahren - mal mehr und mal weniger glücklich - verheiratet und arbeiten beide an der Columbine Highschool. Caelum ist dort Lehrer, während Maureen eine Teilzeitstelle als Krankenschwester hat. An einem Tag im April ändert sich ihr Leben für immer, zwei Schüler zünden Bomben an der Schule und erschießen mehrere Schüler und einen Lehrer. Maureen hält sich die ganze Zeit über in der Schule auf, versteckt in einem Schrank, Caelum ist aus familiären Gründen unterwegs. Maureen überlebt, doch sie ist nicht mehr dieselbe. Sie hat Angst, ist wütend, macht sich Vorwürfe, ist völlig traumatisiert und wird süchtig. Das Ehepaar beschließt umzuziehen, denn gerade hat Caelum die Farm seiner Tante Lolly in Connecticut geerbt. Tatsächlich geht es Maureen nach weiteren Rückschlägen irgendwann besser und sie beginnt wieder als Krankenschwester zu arbeiten. Doch die Panik lässt sie nicht los, bei jedem Vorfall wird Maureen zittrig und beginnt schließlich sich Beruhigungsmittel zu spritzen. Eines Abends fährt sie unter Medikamenteneinfluss einen jungen Mann tot und wird zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Caelum bleibt alleine zurück und bald tauchen Unterlagen seiner Vorfahren auf, er begibt sich auf deren Fährte und entdeckt beeindruckendes und erschreckendes zugleich. Wird es Caelum gelingen sein Leben wieder lebenswert zu leben? Meine Meinung: Die Covergestaltung des Romanes ist auf den ersten Blick wenig aussagekräftig, doch nach dem Lesen passt sie bestens zum Inhalt. Wie der Mann auf dem Cover dreht Caelum seiner Vergangenheit den Rücken zu und wirkt desinteressiert und gleichgültig. Doch je mehr er über seine Familie erfährt, desto interessierter und faszinierter wird er. Wer denkt, dass es nur um den Amoklauf an der Columbine High geht, liegt völlig falsch. Auch die Religion hat immer nur wieder kurze Auftritte und bestimmt das Buch keineswegs. Das Buch enthält die Geschichte eines starken Mannes, der durch Freundschaft, Liebe, Religion - aber auch Angst, Unverständnis und Hass, etwas findet, an das er glauben kann. Das Geschehen wird aus Sicht von Caelum in der Ich-Form geschildert. Die Sprache ist ehrlich, offen, modern und vorantreibend, aber situationsbedingt auch mal derb, mitfühlend und emotional. Sie zieht den Leser ins Geschehen und wirkt sehr natürlich und angepasst. Die Protagonisten sind sympathisch und bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Ihre Vergangenheit ist eng mit ihren jetzigen Handlungsweisen verknüpft. Ihr Gefühlsleben ist glaubhaft und nachvollziehbar, ihr Handeln so durchaus verständlich. Die Handlung allerdings ist leicht überladen, irgendwie wirkt es doch etwas zweifelhaft, das ein und dieselbe Person so viele negative Erlebnisse haben kann. Allerdings enthält der Roman auch 750 Seiten in denen natürlich etwas passieren muss, um den Roman nicht langweilig oder langatmig werden zu lassen. Viele Rückblenden, Zeitungsartikel, Tagebuchauszüge & Briefe aus dem 19. Jahrhundert... sorgen immer wieder für den nötigen Schwung und für Abwechslung im Verlauf der Geschichte. Teils ist es zwar etwas schwer die Zusammenhänge zu erkennen, aber kurz darauf wird auch alles wieder aufgeklärt und am Ende hat man ein fertiges Puzzle, in dem jedes Teil bestens passt. Der Roman umfasst einen Zeitraum von mehreren Jahren, so dass die Entwicklung der Protagonisten genau verfolgt werden kann. Fazit: Ein überzeugender Roman, der sicherlich auch ohne den ein oder anderen Schicksalsschlag ausgekommen wäre. Ein Buch, dem es weder an Spannung, noch an Gefühl fehlt und das Mut macht und zeigt, dass jeder Rückschlag nur noch mehr Kraft gibt, um das zu suchen (und zu finden), was man wirklich braucht. |
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| 05.07.2009 | Bewertung:
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Binea vergibt 9 von 10 Punkten |
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Binea hat insgesamt 27 Rezensionen angelegt. Alle Rezensionen von Binea anzeigen. |
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| 05.07.2009 | Bewertung:
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Anonym vergibt 10 von 10 Punkten |
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![]() Lange Zeit mußte ich warten, denn nach „Die Musik der Wale“ und „Früh am morgen beginnt die Nacht“ ist „Die Stunde, in der ich zu glauben begann“, der nächste Roman aus der Feder eines genialen Autors. Neun Jahre hat Wally Lamb gebraucht und erneut ein Meisterwerk erschaffen.
Der erste Teil des Buches spielt 1999, Caelum Quirk und seine Frau Maureen „Mo“ arbeiten als Lehrer bzw. Krankenschwester in Littleton an der Columbine Highschool. Die beiden führen ein – mehr oder weniger- ereignisloses Leben, als Cae's Tante Lolly stirbt und damit eine Reihe von dramatischen Ereignissen beginnt, die ihn in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft führen werden. Während Caes in die Heimat fährt, um sich um die Beerdigung seiner Tante zu kümmern, laufen 2 Jugendliche in der Columbine Highschool Amok. Maureen überlebt versteckt in einem Schrank, aber danach ist für die beiden trotzdem nichts mehr, wie es mal war. Am Ende des ersten Teils verlassen die beiden Littleton, da Mo die ständige Erinnerung an den Amoklauf nicht mehr aushält. Es gefällt mir besonders gut, das der Autor geschickt verschiedene Ereignisse / Katastrophen aus unterschiedlichen Stationen in Cae's Leben miteinander verknüpft und doch jeder gerecht wird. Zum schmunzeln brachte mich ein kurzes Wiedersehen mit „alten Bekannten“ (Dominick und Thomas Birdsey), denn der Roman spielt teilweise in Wequonnoc, wo Cal aufgewachsen und einen großen Teil seines Lebens verbracht hat. Der zweite Teil des Buches, betitelt mit „Gottesanbeterin“, zeigt das es doch noch schlimmer kommen kann als man denkt. Mo, stark traumatisiert durch den Amoklauf und den sexuellen Missbrauch durch ihren Vater, schafft es nicht, mit ihrem Leben fertig zu werden. Unter Tabletteneinfluss hat sie einen Unfall und muß ins Gefängnis, ironischer Weise in die Anstalt, die von Caelums Urgroßmutter gegründet wurde. Auch in diesem Teil des Buches werden vergangene Ereignisse nahtlos mit der Gegenwart verknüpft, was im wesentlichen den Charme des Buches ausmacht. Caelum wird neben Mo und ihren Problemen zum Nebendarsteller in ihrem gemeinsamen Leben degradiert, und doch hat er genauso unter den Ereignissen zu leiden wie sie.
„Wenn man sich auf die Suche nachdem macht, was man sich wünscht, begegnet man dem, was man braucht.“ Es geht in diesem Buch nicht nur um Columbine, doch trotzdem hängt alles damit zusammen. Wally Lamb befasst sich in „Die Stunde in der ich zu glauben begann“ nur wenig mit dem unmittelbaren Ereignissen, sondern vielmehr mit den direkten und indirekten Opfern und Folgen. Der Roman an sich ist zwar rein fiktiv, die Handlung vermischt sich aber mit realen Ereignissen und Personen. Selten habe ich einen Roman gelesen, in dem die einzelnen Figuren, egal ob Haupt– oder Nebendarsteller, so genau und liebevoll gezeichnet waren. Die Geschichte ist mitreißend, witzig, traurig und interessant. Eben ein wunderbares |
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Anonym hat insgesamt 0 Rezensionen angelegt. Alle Rezensionen von Anonym anzeigen. |
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| 05.07.2009 | Bewertung:
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Anonym vergibt 9 von 10 Punkten |
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Bereits die Widmung geht zu Herzen...Wally Lamb schafft es, wie kein Zweiter, gesellschaftspolitische Themen so mitfühlend zu beschreiben. Ähnlich wie Dickens seinerzeit gelingt es ihm, ein düsteres Abbild unserer Zeit zu schaffen, ohne dass die Hoffnung daran zerbricht. Man blickt nach der Lektüre gestärkt und hoffnungsfroh in die Zukunft. Mich faszinierten besonders die herrlich unschuldigen, brutalen und naiven Kindheitserinnerungen, denen sich Caelum hingibt. Ein Highschoollehrer, der so desillusioniert in seiner eingefahrenen Ehe ist, auf der Suche nach Identität in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sind wir nicht alle ein wenig Caelum? Auch als Frau kann ich mich sehr gut in ihm wiederfinden, in seiner Ohnmacht und in seinen Gefühlen. Das lange Warten hat sich gelohnt.... |
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Anonym hat insgesamt 0 Rezensionen angelegt. Alle Rezensionen von Anonym anzeigen. |
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| 02.09.2009 | Bewertung:
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goldfisch vergibt 8 von 10 Punkten |
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![]() \"Die Stunde, in der ich zu glauben began\" wird vom Ich-Erzähler Caelum Quirk erzählt. Er ist Lehrer, seine Frau Maureen ist Krankenschwester. Beide wuchsen in mehr oder minder kaputten Familien auf und sie führen eine problematische Ehe. Um ihre Ehe zu retten und um näher bei Maureens Vater zu wohnen, ziehen sie von Connecticut nach Colorado. Dort arbeiten beiden an der Columbine Highschool. Als Caelums Tante schwer erkrankt, fliegt er nach Connecticut. Maureen ist noch in Colorado und erlebt das Massaker mit. Sie überlebt zwar, schafft es aber nicht mehr, ein normales Leben zu führen. So folgt ein weiterer Umzug, diesmal zurück nach Connecticut, wo Caelum das Anwesen seiner Tante geerbt hat. Es beginnt eine Odyssee, auf der Caelum und Maureen um Maureens Gesundheit und ihre gemeinsame Zukunft kämpfen und auf der Caelum mehr über seine Familie erfährt, als er je wissen wollte.
Der neuste Roman von Wally Lamb ist ein Porträt der amerikanischen Bevölkerung in den letzten zehn Jahren, sowie eine Familiensaga, die sich über einen Zeitraum von mehr als einhundert Jahren erstreckt. Caelum und Maureen sind beide Opfer der beiden jugendlichen Attentäter an der Columbine Highschool, auch wenn diese Opfer in den Medien zunächst nicht als solche gesehen wurden. Immerhin hat Maureen überlebt und Caelum war am Tag des Massakers nicht in der Schule. Und doch gehören sie zu denen, die unmittelbar und langfristig von der Gewalt betroffen sind. Die Schilderungen des Massakers und der Situation vor Ort in den Tagen und Wochen danach ist sehr beeindruckend. Anders als bei \"Wir müssen über Kevin reden\" von Lionel Shriver oder \"Neunzehn Minuten\" von Jodi Picoult wird hier aus der Perspektive der Betroffenen erzählt. Dies geschieht auf eine unerwartet undramatische Art und Weise, die mich vielleicht gerade deshalb so mitnahm. Durch Caelum übt Wally Lamb auch Kritik an den Medien und kirchlichen Organisationen, die versuchten Profit und aus den Ereignissen zu schlagen, statt tatsächlich zu helfen teilweise noch mehr Schaden bei den Opfern anrichteten. Maureen bekommt kaum echte Hilfe, muss auf eigene Kosten von Arzt zu Arzt pilgern und wird letztendlich abhängig von den Medikamenten, die ihr von den hilflosen Medizinern verschrieben werden. Genauso hilflos ist ihr Mann, der immer wieder versucht, ihr zu helfen, aber fast ohnmächtig dabei zuschauen muss, wie sie immer tiefer abrutscht und sie sich entfremden.
Im zweiten Erzählstrang wird die Geschichte von Caelums Familie erzählt, von dem Ort an dem Caelum aufwuchs und an dem er jetzt wieder lebt. Auch dieser Teil des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die Schilderung der Gründung des Frauengefängnisses und der Gesellschaft vor über einhundert Jahren war gut zu lesen und durch die alten Briefe und Tagebücher von Caelums Vorfahrinnen aufgelockert, authentischer. Irgendwann stellte sich dann die Frage, ob sich gesellschaftlich in den letzten einhundert Jahren wirklich so viel geändert hat und ob es zum Guten war, wenn es Änderungen gab. Caelum wird durch die neuen Informationen über seine Familie schwer erschüttert und gerade jetzt wünscht er sich die Anwesenheit seiner Tante, der Schwester seines Vaters. Doch jene Tante starb einen Tag vor dem Massaker in Columbine und so muss er nicht nur alleine versuchen, Maureen zu helfen, sondern auch die Familiengeheimnisse zu entwirren und seine Herkunft wirklich zu verstehen.
\"Die Stunde, in der ich zu glauben begann\" ist ein sehr ehrgeiziges Projekt, in dem es um Liebe, Hoffnung, Familie, Gewalt und deren Folgen geht. Ein Buch, das mich in seinen Bann zog und trotz der 752 Seiten innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Dem Leser wird vor Augen geführt, dass die Geschichte sich wiederholt, im Großen wie im Kleinen, aber dass man nie die Hoffnung und vor allem sich selbst aufgeben sollte.
Trotz des sehr ernsten Themas ein letztendlich positives Buch, mit einem ansprechenden Cover und eher unpassendem Titel, das ich gerne weiterempfehlen werden - auch wenn ein paar Kürzungen nicht geschadet hätten. |
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goldfisch hat insgesamt 9 Rezensionen angelegt. Alle Rezensionen von goldfisch anzeigen. |
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| 22.02.2010 | Bewertung:
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Temazcal vergibt 8 von 10 Punkten |
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![]() Das Buch fängt mit einem Vorwort über die demenzkranke, jetzt verstorbene Mutter an, was mir schon gut gefallen hat. Caelum und seine Frau Maureen wollen einen Neubeginn starten - ihre Ehe ist in eine Krise geraten. Aus diesem Grunde ziehen sie nach Colorado. Caelum erzählt aus seiner Vergangenheit, wie seine Frau fremdgegangen ist, wie er agressiv wurde und viel auch aus seiner Kindheit und von seinen Vorfahren. Maureen ist dabei, wie zwei Schüler auf der Columbine Schule Amok laufen - seitdem leidet sie unter flashbacks, Angstzuständen und Schmerzen. Sie kann nicht mehr arbeiten und muss zur Psychologin . Durch die Tabletten, die sie nimmt, wird sie tablettenabhängig. Caelum versucht ihr zu helfen, kommt aber nicht so richtig an sie ran. Er muss sich gestehen, dass der Amoklauf Maureens und sein Leben völlig umgekrempelt hat. Als es Maureen wieder ein wenig besser geht, fängt sie wieder an zu arbeiten - kommt dort aber leider mit Tabletten in Berührung. Als Maureen unter Medikamenteneinfluss einen jungen Mann überfährt, muss sie eine Haftstrafe absitzen. Caelum besucht sie, wenn auch unregelmässig. Ihr Verhältnis ist gestört. Man erfährt sehr viel über menschliche Abgründe, die Beweggründe, warum man so handelt und wie es das Leben beeinflusst. Die Familiengeschichte der Quirks wird in Rückblicken, Briefen und Zeitungsartikeln aufgerollt - manchmal ist es zu ausschweifend. Es sind einige Schicksalsschläge, die die Familie Quirk zu verarbeiten hat - man könnte auf den Gedanken kommen, ob es nicht gar zu viele Schicksalsschläge sind. Die Gestaltung des Covers hat mich angesprochen, den Buchtitel hätte ich mir anders gewünscht. |
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Temazcal hat insgesamt 13 Rezensionen angelegt. Alle Rezensionen von Temazcal anzeigen. |
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| 17.06.2010 | Bewertung:
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KimVi vergibt 8 von 10 Punkten |
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![]() Wally Lamb schildert in diesem eindrucksvoll geschriebenen Roman, wie ein einziger schicksalhafter Tag das Leben eines Ehepaares beeinflußt und in völlig andere Bahnen lenkt. Haben wir uns nicht alle schon mal gefragt : \"Was wäre passiert, wenn...?\"
Der Roman erzählt die Geschichte des Ehepaares Caelum und Maureen (Mo) Quirk und ist in der Ich-Form aus Sicht Caelums geschrieben.
Caelum und Mo arbeiten beide an der Columbine High School. Caelum ist Lehrer und seine Frau arbeitet dort als Krankenschwester. Am 20.04.99 unterrichtet Caelum nicht an der High School, da er die Beerdigung seiner Tante vorbereiten muß. Caelum trauert um seine Tante und und braucht dringend Unterstützung bei den Vorbereitungen. Deshalb will Mo an diesem Tag zu ihm fliegen. Da sie aber nur einen späten Flug buchen kann, beschließt sie einen Urlaubstag zu sparen und noch auf der Krankenstation der Schule zu arbeiten. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Denn an diesem Tag erlangt die Columbine High School durch das Schulmassaker von Littleton weltweite Berühmtheit. Zwei Schüler laufen Amok und töten dabei zwölf Schüler und einen Lehrer bevor sie sich selbst töten. Auch Mo befindet sich in der Nähe der Todesschützen und kann ihnen nur entkommen, da sie sich völlig verängstigt in einem Schrank versteckt. Hilflos muss sie mit ansehen, wie die anderen Menschen im Raum erschossen oder verwundet werden. Doch sie hat Glück im Unglück und wird von den Tätern nicht gefunden, völlig traumatisiert wird sie später gerettet.
Aus dem Fernsehen erfährt Caelum von dem Massaker und versucht verzweifelt seine Frau zu erreichen. Da er telefonisch keine Informationen erhält, setzt er sich in das nächste Flugzeug und macht sich voller Sorge auf die Suche nach Mo. Doch nach Maureens Rettung ist für das Ehepaar nichts mehr, wie es vorher war. Caelum versucht Mo zu helfen, doch durch das schreckliche Erlebnis ist sie stark traumatisiert und lässt ihn nicht an sich heran. Aufgrund ihrer seelischen Erkrankung ist Mo auch nicht in der Lage zu arbeiten. Die hohen Arztkosten und das fehlende Gehalt machen sich bald bemerkbar und setzen Caelum noch zusätzlich unter Druck. Deshalb und auch um in eine andere Umgebung zu kommen, verkaufen sie ihr Haus und ziehen auf die gemeinsam geerbte Farm der verstorbenen Tante. Langsam kehrt Maureen ins Leben zurück, doch da schlägt das Schicksal erneut zu - wieder ist sie zur falschen Zeit am falschen Ort!
Caelum kommt auf der Farm alten Familiengeheimnissen auf die Spur und muss sich Tatsachen stellen, die ihn stark verunsichern und seine gesamte Herkunft in Frage stellen. Doch auch jetzt muss er sich vorrangig um Mo kümmern und ihr nach dem erneuten Schicksalsschlag beistehen. Diese doppelte Belastung und auch erneute finanzielle Nöte lassen ihn beinahe verzweifeln.
Meine Meinung Das Cover und der Titel haben mich überhaupt nicht angesprochen, deshalb hätte ich es in der Buchhandlung sicher nicht in die Hand genommen. Aufgrund des Titels habe ich ein sehr religiöses Buch erwartet und auch der Strohhut des abgebildeten Mannes erinnerte mich an Amish - People und brachte mich somit auf eine völlig falsche Spur.
Vom spannenden, aber trotzdem gefühlvollen Schreibstil des Autors war ich sofort begeistert. Trotz der hohen Seitenanzahl habe ich das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen. Das lag auch an den sehr gut beschriebenen und menschlich geschilderten Hauptprotagonisten. Besonders Caelum, mit all seinen Fehlern und Schwächen, war mir sehr sympathisch. Trotz der vielen Schicksalsschläge die beide erleiden, wirkte die Erzählung auf mich nicht unglaubwürdig. Im Gegenteil, selten hat mich ein Roman so gefesselt und berührt.
Das Nachwort des Autors hat mich auch sehr beeindruckt, denn immerhin hat Wally Lamb neun Jahre an diesem Buch geschrieben. Die Ereignisse dieser Jahren, wie zum Beispiel der 11. September, Hurrikan Katrina, Feuersbrünste und der Krieg im Irak wurden ebenfalls gut in die Geschichte integriert. Besonders intensiv wurde natürlich auf das Schulmassaker von Littleton eingegangen. Wally Lamb hat hier die echten Namen der Attentäter, der Getöteten und der Verwundeten benutzt, lediglich die Akteure dieses Romans wurden hinzugefügt. Die Beschreibung des Amoklaufs ist gut gelungen, da die Panik und Angst der Betroffenen glaubhaft vermittelt wurde.
Im zweiten Teil des Buchs stieß Caelum auf alte Briefe, Zeitungsberichte und Tagebucheinträge. Dadurch erhielt man einen Rückblick in die Familienverhältnisse und das Leben auf der geerbten Farm im 19. Jahrhundert. Auch dieser Teil war gut recherchiert und wunderbar geschrieben.
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KimVi hat insgesamt 73 Rezensionen angelegt. Alle Rezensionen von KimVi anzeigen. |
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Bibliothek: Die Stunde, in der ich zu glauben begann von Wally Lamb
Rezensionen









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