headerimage

Bibliothek: Der Tag, an dem Marilyn starb von Donna Milner
Titel:      Der Tag, an dem Marilyn starb
Autor:      Donna Milner
ISBN-10(13):      3492053734
Verlag:      Piper
Publikationsdatum:      2010
Edition:      Hardcover
Sprache:      Deutsch
Bewertung:      4.5  (9 von 10 Punkten)
Bild:     

Der Tag, an dem Marilyn starb im Rezi-Online Amazon-Store (amazon.de) bestellen

Um das Buch zu rezensieren bitte an das Ende der Seite scrollen.

Diskussionen über das Buch können im Forum geführt werden.

Beschreibung:     

Ethie horchte in die Stille des Hauses hinein. Der Duft des grünen Satinkleids ihrer Mutter erfüllte noch immer den Raum, Soir de Paris, so hieß ihr Parfüm. Ethie konnte nicht glauben, dass sie nun für immer fort sein sollte. Aber genau das hatte der junge Polizist gesagt, nachdem Dad ihm die Tür geöffnet hatte: Es habe einen Unfall gegeben, und es tue ihm leid, ihre Mutter sei für immer »heimgegangen«. Jetzt schliefen Ethies Brüder, und Dad saß allein in der Küche, man konnte im Dunkeln die Glut seiner Zigarette sehen. Sicher dachte er darüber nach, warum Mom tot auf einem Segelboot gefunden worden war. Und warum sie getrunken hatte. Hing das alles mit dem fremden Mädchen zusammen, das gestern Morgen dagewesen war? Oder mit seiner Vergangenheit, über die er so lange geschwiegen hatte?



 

Hier klicken, um alle rezensierten Bücher von Donna Milner anzuzeigen

   

Rezensionen
12.02.2010 Bewertung:  5 Maren vergibt 10 von 10 Punkten

Sehr eindringlich erzählt

Userpic

Ethel, genannt Ethie, lebt in einer zwar etwas ungewöhnlichen, aber durchaus glücklichen Familie, wie sie dachte. Sie wohnen in einem Haus für Veteranen in South Vancouver, denn Vater Howard ist Kriegsheimkehrer, womit Ethie sich auch seine Verschlossenheit erklärt. Sie hat zwei Brüder, den älteren Frankie und den jüngeren Kipper, der das Down-Syndrom hat.
Doch als sie elf ist, ändert sich Ethies Welt komplett. Denn am gleichen Tag, an dem auch Marilyn Monroe starb, stirbt auch Lucy, Ethies Mutter. Sie hatte gesagt, dass sie Kartenspielen gehen wollte und da Ethie annahm, dass ihre Mutter ebenso wenig wie Kipper dazu fähig sei zu lügen, hat niemand daran gezweifelt.
Am nächsten Tag aber findet man ihre Leiche auf einem Segelboot, zusammen mit ihrer ebenfalls toten Freundin Marlene. Das Boot gehört Marlenes Mann, und wie es aussieht, haben beide Frauen sehr dem Alkohol zugesprochen, was ebenso alle verwundert, trank Lucy doch sonst nie etwas.
Kohlenmonoxidvergiftung, heißt es später, ein tragischer Unfall.
Aber was bewog die Mutter dazu, zu lügen, wegzugehen und sich zu betrinken? Hat es etwas mit dem chinesischen Mädchen zu tun, dass vor ihrem Tod an ihrem Haus war?

Donna Milner erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Zum einen fungiert die elfjährige Ethie im Jahre 1962 als Ich-Erzählerin und beschreibt, wie sie selbst und auch der Rest ihrer Familie den Tod der Mutter aufnehmen.
Dann gibt es immer wieder Rückblicke ins Jahr 1941 und weitere Kriegsjahre, in denen Howards Erlebnisse geschildert werden. Howard wird bei einem Einsatz nach Hong Kong gebracht, gerät dort in Kriegsgefangenschaft und bleibt mehrere Jahre dort. Er verliert seinen besten Freund, erlebt eine Menge Gewalt und gibt ein Versprechen, das später tragische Ereignisse in Gang setzen wird.
Auch später gibt es ab und zu noch Howards Sicht, was hilft, seine Entscheidungen zu verdeutlichen und die Geschichte noch spannender macht.
Der Autorin gelingt es, den einzelnen Figuren perfekt gerecht zu werden und wunderbar alle zu beschreiben, lediglich Lucy selbst kam für meinen Geschmack ein wenig zu kurz.
Die Geschichte ist fesselnd, berührend und sehr spannend, wobei der Schreibstil mit dazu beiträgt, dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen kann. Es ist wunderbar flüssig geschrieben, so richtig zum Eintauchen.
Ein außergewöhnlicher Roman, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.


Maren hat insgesamt 157 Rezensionen angelegt.

Alle Rezensionen von Maren anzeigen.
12.02.2010 Bewertung:  4.5 roccosmom vergibt 9 von 10 Punkten

Krieg und Frieden

Userpic

„Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.“

 

-Martin Kessel-

 

Am selben Tag wie Marilyn Monroe stirbt auch Lucy; Mutter der elfjährigen Ethie und zweier Söhne. Sie lässt eine große Leere und viele offene Fragen zurück. Jahre später erinnert sich Ethie an die erste Zeit nach dem Tod ihrer Mutter. Wie schwer es für sie und ihre beiden größeren Brüder war. Der eine verzichtete auf ein Studium, der andere wird von vielen wegen des Down-Syndroms nicht ernst genommen. Howard, der Vater, kann sich nicht um die Kinder kümmern. Er ist Kriegsveteran, Alkoholiker und lebt in seiner eigenen Welt aus der er ausbrechen muss um seine Familie zusammen zu halten. Und dann ist da noch dieses asiatische Mädchen, das immer wieder auftaucht und das Haus von Ethie und ihrer Familie betrachtet.

 

In zwei Handlungsstränge wird in „Der Tag, an dem Marilyn starb“ eine tragische Familiengeschichte erzählt. Der eine Handlungsstrang erzählt von Howards Jahren im Krieg und seiner Kriegsgefangenschaft zwischen 1941-1945. Der andere Erzählstrang handelt von Ethies Erinnerungen an die Zeit nach dem Tod ihrer Mutter.

Der gefühlvolle Schreibstil von Donna Milner hat mich dabei sehr berührt und manchmal wollte ich mich regelrecht in das Buch vergraben und mich verstecken, weil ich so mit gelitten habe. Die Charaktere waren so authentisch dargestellt das man meinen könnte eine Biographie zu lesen. Obwohl man Howard besser verstehen lernt, nachdem man nach und nach das Drama seiner Kriegsgefangenschaft kennen lernt, möchte man ihm zurufen aus seiner Lethargie zu erwachen. Frankie, der große Bruder, ist so aufopferungsvoll das man seine Liebe durch die Seiten spürt. Ethie, die größte Bezugsperson für ihren besonderen Bruder fehlt einfach die Mutter. Wie es bei jedem anderen Kind auch wäre. Man möchte trösten, helfen, Tante Mildred für ihre Unverfrorenheit schütteln…  und vergisst darüber dass man doch nur ein Buch liest.

 

Da ich Donna Milners Werk erst so kritisch gegenüber stand, weil es so überhaupt nicht in mein Beuteschema passte, war ich fasziniert davon, wie sehr mich diese Geschichte gefesselt hat. Ihr bedeutsamer Roman berührt einen ganz tief innen drin und lässt einen auch nachhaltig nicht so schnell wieder los. „Der Tag, an dem Marilyn“ starb ist wirklich eine emotionale Achterbahnfahrt, die ich nur empfehlen kann.


roccosmom hat insgesamt 47 Rezensionen angelegt.

Alle Rezensionen von roccosmom anzeigen.
20.02.2010 Bewertung:  5 Nordlicht vergibt 10 von 10 Punkten

Ergreifend, erschütternd und eindrucksvoll

Userpic

\"Der Tag, an dem Marilyn starb\" wird auf zwei verschiedenen zeitlichen Ebenen und aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Die Handlung der von Ethie Coulter aus der Ich-Perspektive dargestellten Ereignisse setzt am 5.August 1962, dem Todestag von Marilyn Monroe, ein - und das ist auch der einzige Bezug, den dieser in der deutschen Fassung etwas unpassend betitelte Roman zu Marilyn Monroe hat. An diesem verhängnisvollen Tag wird die Mutter der Ich-Erzählerin, Lucy Coulter, auf dem Segelboot einer Freundin mit dieser zusammen tot aufgefunden. Die schockierte Familie, bestehend aus dem Vater Howard, den Brüdern Frankie und Kipper sowie dem Nesthäkchen Ethie, rätselt, warum Lucy sich auf diesem Segelboot aufgehalten hat und noch dazu untypischerweise ungeschminkt und total betrunken war... Durch den Tod der Mutter gerät die Welt der Familie Coulter völlig aus den Fugen. Der schon immer sehr in sich zurückgezogene Howard gibt sich nur noch dem Whiskykonsum hin, der älteste Bruder Frankie versucht, die Familie zusammenzuhalten und Ethie kümmert sich um ihren vom Down-Syndrom betroffenen Bruder Kipper. Der Leser erlebt hautnah, wie sehr die Kinder unter dem Tod ihrer warmherzigen, couragierten Mutter und der zunehmenden Entfremdung von ihrem Vater leiden. Der zweite Erzählstrang aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers spielt in den Jahren 1941 bis 1945, in denen Howard als Freiwilliger in Hongkong diente und in japanische Kriegsgefangenschaft geriet. Die eindringliche Beschreibung der Gräuel, denen die britischen und kanadischen Gefangenen ausgesetzt waren, von Misshandlungen und Demütigungen durch die Lageraufseher über Zwangsarbeit und nagenden Hunger bis zu entsetzlichen Krankheiten bei katastrophalen sanitären und medizinischen Bedingungen, verlangt dem Leser starke Nerven ab.

 

Die beiden Erzählstränge wechseln einander ab, so wird es im Laufe der Zeit immer deutlicher, warum Howard sich so seltsam benimmt. Die Rückblicke auf die Kriegsjahre enthüllen nach und nach ein Geheimnis, das Howard seit Jahren mit sich herumschleppt und niemandem anvertraut hatte... Der Schreibstil der Autorin hat mich sehr beeindruckt: er ist teilweise von brutaler Deutlichkeit (Kriegsszenen), andererseits von großer Wärme und tiefem Einfühlungsvermögen (Familiengefüge der Coulters) geprägt.

 

Dieses Buch ist keine leichtverdauliche Kost, aber es ist ein absolut fesselnder Roman, der den Leser auch nach der letzten Seite nicht so schnell loslassen wird.


Nordlicht hat insgesamt 25 Rezensionen angelegt.

Alle Rezensionen von Nordlicht anzeigen.
22.02.2010 Bewertung:  4.5 Temazcal vergibt 9 von 10 Punkten

Der Tag, am dem Marilyn starb

Userpic

Klappentext:
Ethie horchte in die Stille des Hauses hinein. Der Duft des grünen Satinkleids ihrer Mutter erfüllte noch immer den Raum, Soir de Paris, so hieß ihr Parfüm. Ethie konnte nicht glauben, dass sie nun für immer fort sein sollte. Aber genau das hatte der junge Polizist gesagt, nachdem Dad ihm die Tür geöffnet hatte: Es habe einen Unfall gegeben, und es tue ihm leid, ihre Mutter sei für immer »heimgegangen«. Jetzt schliefen Ethies Brüder, und Dad saß allein in der Küche, man konnte im Dunkeln die Glut seiner Zigarette sehen. Sicher dachte er darüber nach, warum Mom tot auf einem Segelboot gefunden worden war. Und warum sie getrunken hatte. Hing das alles mit dem fremden Mädchen zusammen, das gestern Morgen dagewesen war? Oder mit seiner Vergangenheit, über die er so lange geschwiegen hatte?

Die Autorin:
Donna Milner lebt mit ihrem Mann im kanadischen Bundesstaat Britisch Columbia. Nachdem ihr erster Roman „River“ 2008 in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und ein überwältigendes Echo fand, widmet sie sich nun ausschließlich dem Schreiben. „Der Tag, an dem Marilyn starb“ ist ihr zweiter Roman.

Meine Meinung:
Ethie ist 11 Jahre alt, als ihre Mutter Lucy auf tragische Weise ums Leben kommt; der Todesumstand bleibt für die Familie unerklärlich.
Nun bleibt Ethie mit ihrem schweigsamen, in sich gekehrten Vater, ihrem älteren Bruder Frankie und dem an Morbus Down-Syndrom leidenden Bruder Kipper zurück. Ethie ist diejenige,die sich liebevoll um Kipper kümmert.
Die drei Kinder gehen unterschiedlich mit dem Tod ihrer Mutter um. Die meisten Erinnerungen erfährt der Leser über Ethie.
Der zweite Handlungsstrang führt den Leser zurück in die Jahre 1941 -1945, in dem man einiges über die Kriegserlebnisse des Vaters Howard liest.
Howard und sein Freund Gordy sind in Hongkong stationiert. Dort lernen sie Feng Shun-Ling kennen und lieben.
Viel Unvorstellbares muss Howard erleben, bevor er wieder nach Hause darf – Dinge, die er niemanden erzählt, auch nicht seiner Frau Lucy – je weiter man liest, umso deutlicher ersichtbar wird der Grund, warum Howard sich so verhält.
Fragen tauchen auf: Warum trank Lucy am Tage ihres Todes? Wieso war sie auf dem Segelboot? Was hat es mit dem Mädchen auf sich, das plötzlich vor dem Haus auftaucht?
All diese Fragen werden im Laufe des Romanes beantwortet.

Donna Milner schreibt sehr einfühlsam und mitreissend über eine Familie und ihr Sich-wieder-einfinden in das Familienleben nach dem Tod der Mutter.
Beide Handlungsstränge und Erzählperspektiven wechseln sich ab.
Die Charaktere sind wunderbar beschrieben, als Leser kann man mit ihnen mitfühlen.
Besonders Ethie und Kipper haben mir gefallen.
Auch wenn die Geschichte gegen Ende ein wenig vorhersehbar wird, ist der Roman sehr lesenswert.
Im Original lautet der Titel \"Promise of Rain\" - der deutsche Titel bezieht sich auf die Anfangszeilen des Romans, hat aber ansonsten nichts mit der Geschichte zu tun.


Temazcal hat insgesamt 13 Rezensionen angelegt.

Alle Rezensionen von Temazcal anzeigen.
22.02.2010 Bewertung:  4 Naraya vergibt 8 von 10 Punkten

Ein Familiengeheimnis und die Grausamkeit des Krieges

Userpic

Ethel Coulter, von allen nur Ethie genannt, ist 11 Jahre alt, als ihre Mutter Lucy bei einem tragischen Unfall stirbt - am selben Tag, an dem auch Marylin Monroe starb. Doch die Umstände von Lucys Tod sind seltsam: sie, die nur selten Alkohol getrunken hatte, wird leblos auf einem Segelboot gefunden, Arm in Arm mit ihrer Freundin Marlene. Doch was hatte Lucy auf dem Boot verloren? Und welchen Grund hatte sie, sich an diesem Abend so zu betrinken?


Zurück bleibt ihre Familie: Howard, der Familienvater, ein Veterane aus dem 2. Weltkrieg. Seit er aus Hongkong zurückgekehrt ist, plagen ihn Alpträume. Immer öfter verlässt er das Haus und lässt Frau und Kinder in Sorge zurück, um allein durch den Regen zu spazieren. Er lebt entrückt, beinahe in seiner eigenen Welt, aus der er nur phasenweise zurückkehrt. Frankie, sein ältester Sohn wird so nach dem Tod der Mutter zum Familienoberhaupt, das sich rührend um den Vater und seine beiden Geschwister kümmert: Ethie, die Ich-Erzählerin und Kipper, der eigentlich Christopher heißt und am Down-Syndrom leidet.


Immer wieder steht in den Tagen nach Lucys Tod ein chinesisches Mädchen auf der anderen Straßenseite und beobachtet das Haus der Coulters. Ethie findet heraus, dass sie am Tag, als ihre Mutter starb, noch mit dieser gesprochen hat. Worum ging es in diesem Gespräch und hat die Chinesin namens Lily am Ende etwas mit Howards Zeit in Hongkong zu tun?


Nach und nach beschreibt Donna Milner in ihrem neuen Roman den Weg einer Familie zurück ins Leben. Parallel zur Gegenwart erzählt sie aus Howards Vergangenheit. Es sind grausame Episoden aus Schlachten und Gefangenenlagern, die nun besser verständlich machen, warum Howard sich so benimmt, warum er manchmal seine eigenen Kinder nicht wahrzunehmen scheint, so dass man ihn wachrütteln möchte.


Das Ende ist nach der Hälfte des Romans vorhersehbar und ein wenig zu gewollt. Lucy, um deren Tod es ja eigentlich geht, kommt dabei zu kurz - ihr Tod scheint nur der Motor zu sein, der die Handlung in Gang setzt. Dennoch ist "Der Tag, an dem Marylin starb" ein wunderschöner Roman über die Liebe und ein Mahnmal für die Veteranen und Opfer des Krieges zugleich.


Naraya hat insgesamt 12 Rezensionen angelegt.

Alle Rezensionen von Naraya anzeigen.
23.02.2010 Bewertung:  5 Hedwig vergibt 10 von 10 Punkten

Aussergewöhnliche Schriftstellerin

Userpic

Gleich zu Beginn muß ich sagen: Wow, was für ein Roman, was für eine Erzählerin. Ich fühle mich reich beschenkt von Donna Milner und hoffe auf noch viele wundervolle Romane dieser einzigartigen kanadischen Autorin.

Kurz zum Inhalt:

An dem Tag, an dem auch Marilyn Monroe starb, starb auch die stets lebensbejahende, warmherzige und immer stark wirkende Lucy Coulter und hinterläßt nicht nur einen völlig am Boden zerstörten Mann sondern auch drei prächtige Kinder, die nun alleine klar kommen müssen, zurück. Den patenten Frankie, den an Down-Syndrom leidende Christopher, genannt Kipper, und Ethie, aus deren Sicht die Hälfte des Romans erzählt wird, die über den Tod ihrer Mutter und dessen seltsame Umstände nicht hinwegkommt und sich besonders an die schwere Zeit direkt nach Lucys Tod erinnert. Für Ethie ist das Leben selbst so stark mit der Person ihrer Mutter verbunden, die immer für alles eine Lösung wußte, sich sämtlichen Problemen entschlossen entgegenstellte, dass sie sich – zusammen mit dem Leser – all die Fragen stellt, die wir uns auch selbst in so einem Fall stellen würden: warum hatte die sonst abstinente Lucy Alkohol getrunken? Wie kam es zu der Kohlenmonoxidvergiftung? War es Selbstmord, gemeinsam mit ihrer Freundin?

Die andere Hälfte des Romans wird immer wieder in Form von Rückblenden auf vor allem die Kriegserlebnisse von Howard Coulter dazwischengeschoben, die er als Soldat in Hongkong und im Gefangenenlager der Japaner hatte. Die Erlebnisse, die Howard zusammen mit seinem besten Freund Gordy dort ausstehen mußte, das, was auch nach Kriegsende auf ihn zukam – alle drei Brüder holte der Krieg als Opfer – haben ihn zu einem gebrochenen Mann gemacht. Aber es gibt noch ein Geheimnis, über das er nie sprach und dessen Wirklichkeit ihn – und damit auch Lucy und seine gesamte Familie – endlich doch wieder einholte, denn ein Doppelleben zu führen, dafür war Howard gar nicht der Mensch.

Mehr soll nicht vom Inhalt erzählt werden, um nichts von der Spannung vorweg zu nehmen.
Darum nur noch ein paar Worte zum Schreibstil und Buchcover: Das Buchcover ist sehr ansprechend und natürlich gehalten und zeigt eine Frau, die sich nach vermutlich getaner Arbeit die Hände an ihrer Kittelschürze abtrocknet und durch das Fliegengitter spähend auf ihre Lieben wartet. Symbolträchtig, wie ich finde.

Romane, die in zwei Zeitebenen geschrieben werden, sind nicht neu für mich zu lesen, aber selten schafft diesen Spagat eine Autorin so virtuos. Die Geschichte ist äußerst vielschichtig und ohne Klischees erzählt und läßt dem Leser viel Raum zum eigenen Nachdenken und für eigene innere Ausformung der Protagonisten. Den Charakter erreicht die Autorin z.B. nicht, indem sie einfach nur beschreibt, wie die Menschen sind, sondern läßt sie uns anhand ihrer Handlungen selbst erforschen und erfahren.

Einfach ein rundum gelungener Roman, dem von meiner Seite aus gerne noch mehrere dieser Autorin folgen dürfen.


Hedwig hat insgesamt 14 Rezensionen angelegt.

Alle Rezensionen von Hedwig anzeigen.
 
Designed by vonfio.de
generic viagra | information about viagra | viagra price | does viagra work for women | buy viagra | viagra side effects | order discount viagra | free viagra | viagra purchase