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Science-Fiction: Der Report der Magd
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Titel:      Der Report der Magd
Kategorien:      Science-Fiction
BuchID:      631
Autor:      Margaret Atwood
ISBN-10(13):      3442722993
Verlag:      btb Verlag
Publikationsdatum:      1998
Edition:      Taschenbuch
Number of pages:      0
Sprache:      Deutsch
Bewertung:     

5 
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Rezensionen
Rezension

05.07.2009 Bewertung:  5 Anonym vergibt 10 von 10 Punkten

UserpicIm religiös geprägten fiktiven Land Gilead sind fast alle Frauen unfruchtbar geworden. Die wenigen fruchtbaren Frauen werden als Mägde eingesetzt, sprich: als Gebärmaschinen. Neben den Mägden gibt es noch die Ehefrauen und die "Marthas" - Dienerinnen, ich würde sie sogar als Sklavinnen bezeichnen.
Die Magd Desfred wird einem Ehepaar zugeteilt, das die Erlaubnis bekommen hat, ein Kind zu zeugen. Monat für Monat muß sie "die Zeremonie" - den Geschlechtsakt - über sich ergehen lassen, im Beisein der Ehefrau. Dabei steht sie unter Druck, denn wird sie nicht schwanger, droht ihr die Verbannung in die gefürchteten Kolonien.
Die restliche Zeit verbringt sie damit, zu den öffentlichen Hinrichtungen oder einkaufen zu gehen. Und über die Vergangenheit nachzudenken. Sie denkt an ihren verschwundenen Ehemann, an die Tochter, die man ihr wegnahm, sie trauert um die verpassten Gelegenheiten, um Dinge, die sie früher nicht genug zu schätzen wußte.
Und sie hofft auf eine bessere Zukunft, auch wenn sie weiß, dass diese wahrscheinlich niemals kommen wird.

Nach "1984" und "Fahrenheit 451" war "Der Report der Magd" mein drittes anti-utopisches Buch. Es hat mir viel besser gefallen, als die beiden ersten. Es ist realistischer, erschreckender, hoffnungsloser. Es stimmt einen sehr nachdenklich und sehr traurig.

Der totalitäre Staat Gilead, der von religiösen Fundamentalisten errichtet wurde, ist eine äußerst düstere Zukunftsvision. Margaret Atwood lässt im Roman hier und da ein paar Andeutungen fallen (manchmal auch mehr), wie es zu dieser Staatsgründung kommen konnte - und man kauft es ihr ab.

Die Zeit, in der die Handlung spielt, liegt in nicht allzu ferner Zukunft, denn Desfred erinnert sich noch gut an eine Welt, die der unseren ähnlich ist. Gerade das kommt einem wie eine Warnung vor.

Den Schluß hätte ich mir ein bißchen weniger offen gewünscht, aber dann hätte er wahrscheinlich gar nicht zu dem Roman gepasst.

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Großartig!

15.01.2011 Bewertung:  5 Sim vergibt 10 von 10 Punkten

Userpic

Gilead, ein fiktiver Militärstaat in den USA. Die Geburtenrate ist minimal, atomare Gaus haben zu Unfruchtbarkeit geführt. Ein totalitäres Regime übernimmt die Macht, schürt die Ängste der Bevölkerung und fokussiert sie auf allem was anders ist als. Andersgläubige, Andersdenkende, Andersliebende werden zu Feindbildern stilisiert, umerzogen, aus dem Weg geräumt oder in die Kolonien verbannt wo sie Giftmüll entsorgen müssen.

Frauen werden entrechtet, ihr Besitz geht an den Ehemann oder den nächsten männlichen Verwandten über, so dass ihnen nur die Möglichkeit bleibt, sich zu fügen oder als Verräterinnen aus dem Weg geschafft zu werden. Bibelzitate müssen herhalten, um den menschenverachtenden Ideologien eine Berechtigung zu geben. Es gibt keine freie Meinungsäußerung, keine freien Medien mehr, das Fernsehen ist zum Propaganda-Sprachrohr geworden. Frauen ist es verboten zu lesen.

Die Frauen werden in Kasten eingeteilt, aus denen es keinen anderen Ausweg gibt, als den Tod. Es gibt die Ehefrauen, die zur herrschenden Klasse gehören, Martas, die deren Haushalt führen und die Mägde, die wenigen fruchtbaren Frauen, die zu nichts anderem bestimmt sind, als die Kinder der hochrangigen Militärs zu gebären. Sie haben keine Rechte, keine Stimme, nicht einmal einen eigenen Namen.

Desfred, die Magd des Fred, erzählt ihre ganz persönliche Geschichte. Eine Geschichte über eine Frau, die vom Menschen zum Mittel-zum-Zweck degradiert wird. Eine Geschichte über Entwürdigung, Erniedrigung und Entrechtung. Eine Geschichte, die nicht nur eine Geschichte sein könnte. Und das ist es, was Margaret Atwoods Dystopie so eindringlich macht. Alles was sie beschreibt ist so oder ähnlich schon passiert und könnte wieder passieren.

Der Report der Magd ist nicht nur ein großartiger, sondern auch ein wichtiger Roman. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt. Ich halte nichts von \"Das muss man gelesen haben Listen\", aber wenn ich eine anfertigen müsste, dann wäre dieses Buch darauf.

 


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